Seuchen in der Antike: Gegen die Natur sind wir machtlos

Piotr Leszczyński spricht mit Jacek Hajduk über Epidemien im alten Griechenland und Rom

 

Piotr Leszczyński: In den vergangenen Monaten ist die Welt zum Stillstand gekommen. Die Karten werden vom Virus verteilt. Wir leben im 21. Jahrhundert und sind offenbar überrumpelt vom Gang der Ereignisse, dabei verfügen wir doch über die Errungenschaften der Wissenschaft und das Wissen vieler Generationen. Du bist klassischer Philologe, du kennst dich hervorragend mit der Welt der Antike aus. Wie gingen die Menschen damals mit Epidemien um?

 

Jacek Hajduk: Unsere mangelnde Vorbereitung beweist einmal mehr, dass die Geschichte eben keine Lektionen für das Leben erteilt. Um die Wahrheit zu sagen, ich finde, aus der Geschichte kann kaum eine Lehre, vielleicht auch gar keine gezogen werden. Wäre es anders, stünden wir als Menschheit heute doch ganz anders da. Der Intellektuelle und Geschichtstheoretiker Hayden White hat überzeugend gezeigt, dass wir in rein narrativen und literarischen Kategorien über Geschichte denken. Die von vergangenen Generationen durchlebte Geschichte ist also nicht mehr als eine bloße Erzählung. Mal ein interessante, mal eine schreckliche. Aber wir haben den Luxus, dass wir einfach die Lektüre unterbrechen können, wenn sie uns langweilt oder in Schrecken versetzt. Wir sind nicht gezwungen, darauf zurückzukommen. Denn es handelt sich nicht um unsere eigene Erzählung. Das ist zwar schlimm, aber für meine Generation ist bereits die Solidarność-Revolution tiefste Vergangenheit, sie gehört nicht uns, sondern der Generation unserer Eltern, vielleicht noch der älteren Kollegen. Wir haben das nicht am eigenen Leib erlebt. Schon Homer schrieb, es gebe auf der Welt nichts Schrecklicheres als den Krieg, aber haben die Griechen, die doch angeblich so große Stücke auf ihren großen Dichter legten, etwa diese Lehre beherzigt?

 

Blicken wir einmal ins 20. Jahrhundert. Wieviel Zeit verstrich zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg? Europa war kaum richtig zur Besinnung gekommen, schon stürzte es sich in den nächsten Wahnsinn. Hat etwa der Holocaust den Völkermorden ein Ende gesetzt? Hat sich der Mensch unter dem Eindruck der Massenmorde und der zerstörerischen Kriege geändert? Nichts dergleichen. Und mit den Epidemien verhält es sich genauso: Sie haben uns immer schon begleitet, doch niemals sind wir darauf vorbereitet, stets überrumpeln sie uns völlig. In vielerlei Hinsicht unterscheiden wir uns natürlich von den Griechen und Römern der Antike, wie auch die Römer sich in Vielem von den Griechen unterschieden, aber genau darin waren und sind wir einander gleich, nämlich wehrlos. Was einen eigentlich auch nicht weiter wundern sollte: Wir Menschen sind wirklich machtlos gegen die Natur, was wir nur die meiste Zeit vergessen. Das kommt uns erst dann zu Bewusstsein, wenn ein Tsunami, die Brände in Australien oder die Corona-Epidemie zuschlagen. Die Errungenschaften der Wissenschaft und das Wissen von Generationen erweisen sich als nichtig gegenüber den Verwüstungen der Brände oder eines kapriziösen Virus.

 

Gibt es irgendein gesichertes Wissen über die Epidemien in der Antike?

 

Wir haben über die damaligen Epidemien in medizinischer Hinsicht nur sehr wenig und ungenaues Wissen. Und das ist leider ein großes Problem. Wir wissen zwar von der politischen und Militärgeschichte so einiges, was allerdings nicht heißt, dass wir der Überlieferung bedingungslos vertrauen. Schließlich handelt es sich größtenteils um in elegantem Latein verfasste Siegerpropaganda. Aber ein paar Quellen haben wir eben doch. Sehr viel schlechter steht es um die Naturgeschichte. Der Vesuvausbruch des Jahres 79, der immerhin einige Städte im Golf von Neapel restlos zerstörte, wird überhaupt nur in einem einzigen zeitgenössischen Zeugnis zur Kenntnis genommen: In zwei Briefen Plinius des Jüngeren. Zweifelsohne gab es mehr Quellen, aber bis in unsere Zeit hat nur der Bericht des Plinius überdauert. In fast genau derselben Zeit brach wohlgemerkt in der Stadt Rom eine große Epidemie aus. Woher wissen wir das? Von Sueton, der erwähnt, dass Kaiser Titus mit der pompösen Eröffnung des Kolosseums auf die Stimmung in der Gesellschaft reagierte: Das Fest sollte die von der Epidemie geplagten Römer aufheitern. Um was für eine Krankheit handelte es sich? Wie viele Menschenleben kostete sie? Wir wissen es nicht.

 

Weder diese noch irgendeine andere Seuche wurde je von den zeitgenössischen Historikern abgehandelt, in den res gestae, also den Lebensbeschreibungen der großen Männer, tritt sie nur ganz am Rande in Erscheinung, eher beiläufig, und das meist rhetorisch eingekleidet. Anders gesagt, wenn die Seuche schon einmal beschrieben wurde, diente das einem bestimmten Zweck.

 

Nicht anders verhält es sich bei Thukydides. Dieser wohlgeborene Historiker, der durch die Jahrhunderte als Muster von nüchterner Wissenschaftlichkeit galt, hinterließ die klassische Beschreibung einer in Athen ausgebrochenen Seuche. Aber von welcher Krankheit schreibt Thukydides eigentlich? Von der Pest? Den Blattern? Den Masern? Von welchem Stamm, welcher Mutation? Vielleicht von einer ganz anderen Krankheit, deren Pathogen heute nicht mehr aktiv ist? Verursachte ein Virus oder ein Bakterium die Seuche? Das wissen wir auch nicht. Bislang kursieren etwa dreißig verschiedene Auslegungen. Wieso? Einfach gesagt, die von Thukydides beschriebenen Symptome passen nach Auffassung der Forscher zu keiner der Infektionskrankheiten, die wir heute kennen, zugleich passen sie zu allen zusammen. Ist es möglich, dass in Athen eine von einem nicht mehr bekannten Pathogen ausgelöste Seuche wütete? Natürlich. Es ist aber auch möglich, dass die Schilderung in narrativer und deskriptiver Hinsicht eine literarische Fiktion ist, ein allerdings schönes Stück Prosa. Das war übrigens auch Thukydides’ Intention, nämlich auf die Metaebene zu gehen.

 

Veränderten Seuchen in der Antike die Welt, bedeuteten sie möglicherweise eine kulturelle oder soziale Erschütterung, einen historischen Wendepunkt?

 

Ich würde sagen, in größerem Maße als Kriege oder politische Umstürze, in sehr viel größerem. Ich habe keine Zweifel, dass sie im alten Europa mindestens ebenso häufig vorkamen wie bewaffnete Auseinandersetzungen, Bürgerkriege und Kriege gegen andere zusammengenommen. Und gewiss ereigneten sie sich unvergleichlich häufiger als heute und verliefen unvergleichlich scheußlicher, wegen des niedrigeren Stands der medizinischen Versorgung, des mit Ausnahme der griechischen und römischen Oberschicht niedrigeren Stands der Hygiene usw. Die Seuche im Athen des Perikles, wie sie von Thukydides beschrieben wird, spielte eine entscheidende Rolle bei der Niederlage der Stadt im Peloponnesischen Krieg. Spätere Epidemien im Rom der Kaiserzeit pflügten buchstäblich unseren Kontinent um. Die Menschenverluste erreichten ungeheure Ausmaße. Das unterliegt keinem Zweifel. Die Antoninische Pest, auch bekannt als Galensche Pest (ausgehendes 2. Jahrhundert); eine Epidemie der Pocken oder Masern im ausgehenden 3. Jahrhundert, bekannt als Cyprianische Pest; die spätantike Justinianische Pest, die Byzanz einen schweren Schlag versetzte; ähnlich der Schwarze Tod im 14. Jahrhundert, der dem Mittelalter de facto ein Ende bereitete. Dies waren so schwere Katastrophen, dass sie tatsächlich den Gang der Geschichte änderten und die Welt in eine neue Richtung lenkten. Die Menschen starben wie die Fliegen. Keine von Menschen den Menschen bereitete Form der Massenvernichtung hält den Vergleich mit dem aus, was die Natur für uns bereithält: Erdbeben, Vulkanausbrüche, Tsunamis, globale Pandemien. All das versetzt uns in Angst und Schrecken, weil es sich dem menschlichen Verstand entzieht. Immer kommt der Schlag aus dem Nichts, ist völlig überraschend und total. Und die Menschen nahmen das in der Antike oder im Mittelalter ebenso auf wie heute, indem sie darin regelmäßig ein Eingreifen übernatürlicher Kräfte, der Götter oder Gottes sahen. Eine Art Vorspiel zur Apokalypse oder auch die Apokalypse selbst. Daher folgen auf große Seuchen stets Phasen verstärkter geistiger Sinnsuche, die in sehr unterschiedliche Richtungen gehen kann, neue religiöse Bewegungen werden laut, alte, das heißt solche, die versagt haben, verlieren an Einfluss. Ich denke, schon bald wird ein echter Kampf um die Herrschaft über die Seelen einsetzen… Ein neues Christentum? Die Islamisierung Europas? Eine nicht-theistische Weltanschauung aus China?

 

Das bekannteste antike Zeugnis für eine Epidemie ist die erwähnte Beschreibung der Athener Seuche aus dem zweiten Buch von Thukydides’ „Peloponnesischem Krieg“. Kommt das Thema oft in der überlieferten Literatur aus dem antiken Griechenland und Rom vor?

 

Seuchen spielen in der antiken Literatur, also in der westlichen Literatur, in unserer Literatur, eine sehr wichtige Rolle. Ich würde sogar sagen, es handelt sich um eines der ältesten etablierten Themen. Danach muss man nicht lang suchen, nehmen wir etwa Homers „Ilias“. Ein Werk, dass die Literaturgeschichte unseres Kulturkreises einleitet und zugleich das hervorragendste ist. Wie beginnt dieses schöne, modellbildende Epos? Wie beginnt der entscheidende Kriegszug? Bei der Aufteilung der Beute wird Agamemnon von Mykene, der mächtigste, das heißt reichste der nach Troja gezogenen griechischen Könige, die schöne Chryseis zuteil, Tochter des Chryses, eines Priesters des Apollon. Agamemnon verweigert sich der Bitte, seine Gefangene herauszugeben, wodurch er den Gott erzürnt und diesen dazu bringt, die Griechen von einer Seuche heimsuchen zu lassen. Apollon ist ein außergewöhnlicher Gott, er ist einerseits Patron der Dichtung und des Schönen, ein göttlicher Heiler, andererseits ein rücksichtsloser, rachsüchtiger Totschläger. Sein Name bedeutet übrigens „der Vernichtung Bringende“. Die Epidemie greift also um sich und dezimiert die Reihen der Achäer, so dass Agamemnon sich durch die Umstände gezwungen sieht, auf Chryseis zu verzichten und sie dem verzweifelten Vater zurückzugeben. Der König der Könige gibt das Mädchen ungern frei, und als Ersatz für seinen Verlust greift er nach einer anderen Schönheit, der Briseis, die wiederum eine Gefangene des Achilles ist, des fähigsten aller Krieger und übrigens auch eines Königs, nur eines kleineren Volkes, der Myrmidonen. Dieser Akt wird zum Auslöser eines großen Streits, des Streits Agamemnons mit Achilles, bei dem schließlich letzterer seine weitere Beteiligung am Krieg verweigert. Die Siegesschale neigt sich zugunsten der Trojaner, Hektor triumphiert. Bis dann schließlich… Die Seuche spielt mithin in der Ilias eine Schlüsselrolle. Ohne die Seuche gäbe es keinen Streit, ohne Streit keinen Sieg der Trojaner, ohne diesen keine inneren Qualen des Achill und überhaupt – keine Dichtung Homers.

 

Ein zweites, genauso wichtiges Beispiel – Sophokles’ „König Ödipus“. Nach Auffassung des Aristoteles die hervorragendste griechische Tragödie, ein Meisterwerk der Tragik, ein unerreichtes Vorbild, ein Kunstwerk, in dem kein Vers, kein Wort überflüssig ist. Wie beginnt die Tragödie? In Theben wütet eine Seuche. König Ödipus entsendet seinen Schwager Kreon zum Orakel von Delphi (wieder Apollon!), um herauszufinden, für welche Sünden die Stadt von der Pest heimgesucht und verwüstet wird. Der große Gott verkündet: die Plage sei eine Folge der Schande, des Verstoßes gegen die moralische und religiöse Ordnung, der Mörder des Königs Laios, der vor Ödipus regiert hat, ist weder identifiziert noch gefangen. Ödipus, der natürlich noch nicht weiß, dass er selbst der Mörder des Königs, zugleich seines leiblichen Vaters ist, schwört, den Schuldigen zu ergreifen und zu bestrafen. Er verflucht ihn, die Pest auf Theben herabbeschworen zu haben… Ilias und „König Ödipus“ gäbe es also ohne Seuche nicht, und ohne Homer und Sophokles gäbe es die westliche Kultur, Griechenland und Rom nicht, noch das Christentum und die Renaissance, Shakespeare, Daniel Defoe und Albert Camus, es gäbe uns nicht.

 

Wir wissen, dass die Seuche auch Thukydides befiel, er kam aber mit dem Leben davon. Sein Zeitgenosse Perikles hatte nicht so viel Glück. Welche bekannten Persönlichkeiten der Antike sind noch einer Seuche zum Opfer gefallen?

 

Es gibt diese in jüngster Zeit gern gebrauchte Redensart, die Epidemie sei demokratisch. Ja und nein. Das stimmt schon in einem gewissen Sinne. Sie kann schließlich den Kaiser genauso wie seinen niedrigsten Untertanen töten. So geschah es auch im Römischen Kaiserreich, als dort in den sechziger Jahren des zweiten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung die große Epidemie wütete. Heute würden wir sicher von einer Pandemie sprechen, denn ihre Reichweite war beeindruckend. Sie begann irgendwo in den Steppen Zentralasiens und breitete sich in beide Richtungen, nach Europa und nach China aus. Obwohl die bekannteste Beschreibung dieser Seuche nicht aus der Feder eines Historikers, sondern des Arztes Galen stammt, haben wir wie bei Thukydides auch hier mit dem Problem der rhetorischen Anlage dieses Textes zu tun. Galen bezieht sich in seiner Darstellung sehr bewusst auf den Autor des „Peloponnesischen Krieges“. Diese Epidemie führten später noch andere Autoren an, sie war also ziemlich bekannt. Wir wissen, dass daran einer der beiden gemeinsam regierenden Kaiser starb, Lucius Verus. Es gibt daneben die Theorie, dass auch Mark Aurel, der berühmte „Philosoph auf dem Thron“, ihr zum Opfer fiel. Diese Plage war eine schwere Erschütterung für das Imperium: auch militärisch ging eine Epoche zu Ende. Ähnlich wie diejenige, die Perikles umbrachte, was eine Erschütterung für das imperiale Athen war.

 

Doch bemerkenswerterweise hören wir nichts von der Galenschen Pest, wenn bei Historikern vom Ende der griechisch-römischen Ära und dem triumphalen Aufstieg des Christentums die Rede ist. Oder von den Ursachen des Falls des Römischen Reichs. Es ist vor allem von der Politik und der Entwicklung des Christentums die Rede. Aber ich bin überzeugt, was übrigens nicht meine eigene Idee ist, sondern ein Urteil der Gelehrten, dass jene Seuche – vielleicht die Pocken? – sehr wesentlich dazu beitrug, in welcher Richtung nicht allein die Geschichte Roms, sondern unserer Zivilisation ging. Beginnend mit der sogenannten Herrschaftskrise des 3. Jahrhunderts über die politischen Paradigmenwechsel hin zum Christentum bis zur Herauskristallisierung einer ganz neuen, nicht mehr klassischen Mentalität. Die Wirtschaft und ihre konjunkturellen Zyklen, Naturkatastrophen und Missernten, Stimmungen in der Gesellschaft und ein tiefer Wandel der geistigen, mentalen und intellektuellen Paradigmata – das sind die wahren, langfristigen Gründe, nicht etwa diese oder jene politischen Geschehnisse, der großen historischen Erdrutsche. In der Perspektive der longue durée bedeutet die Tagespolitik wirklich nicht sehr viel und verrichtet auch nicht viel. Politische Handlungen sind manchmal unverständlich, manchmal verrückt, jedenfalls sind sie nur Symptome krankhafter Veränderungen, Begleiterscheinungen, wie die Geschwüre am Körper eines Pestkranken.

 

Welchen Stellenwert haben Seuchen in unserem Weltbild?

 

Ich möchte zu Hayden White und seiner Beobachtung zurückkehren, dass wir Geschichte stets so schreiben und lesen, wie wir Literatur lesen und schreiben würden. Die Seuche ist eines der tragenden und bedeutendsten Themen unserer Kultur, sie ist ein Bindemittel und Emblem des Unseren, des Europäischen und Westlichen. Die Beschreibung der Seuche bei Thukydides, Daniel Defoe über die Große Pest im London des Jahres 1665 und die aktuelle Berichterstattung über das Coronavirus ist im Wesentlichen ein und dasselbe, selbst die Worte sind häufig dieselben und sollen dieselben Assoziationen und Ängste wecken. Es handelt sich um immer wieder auftretende Inkarnationen desselben universellen Motivs. Und dieses Motiv begleitet uns seit Anbeginn, seit Homer, nur dass es meist schlummernd auf die nächste Gelegenheit wartet, wie das Pestbakterium am Ende von Camus’ „Pest“. Das ist einer der Archetypen. So wie die Reise von der Odyssee über Dante bis hin zu Konstantínos Kaváfis. Wie die Stadt und ihre Symbolik. Wie Gott, wie Satan, wie der Kampf des Guten mit dem Bösen, wie der Kampf um die Macht. Das alles ergibt unter dem Strich immer wieder dasselbe Ergebnis: Europa.

 

Und zum Schluss, welche Lehren können wir aus jener entlegenen Zeit ziehen?

 

Wie ich schon sagte: Ich bin nicht von dem Lehrsatz historia magistra vitae, die Geschichte als Lehrmeisterin des Lebens, überzeugt. Ich halte ihn für kindlich-naiv. Natürlich würde ich mich gern irren, ich hätte gern, wir gingen aus jeder Krise klüger hervor – aber wir stehen hinterher genauso nackt und wehrlos da. Wenn ich aber eines aussuchen sollte, etwas, was als „Lehre der Antike“ gelten könnte, dann vielleicht nur, die alte Geschichte flüstert wie ein sich niemals irrender Souffleur: Alles war schon einmal da, keine Zeit ist außergewöhnlich, selbst Umstürze sind nur Umstürze und nichts weiter. Solange also die Sonne die Erde nicht verbrennt, können wir beruhigt sein, morgen ist auch noch ein Tag.

 

 

Aus dem Polnischen von Andreas R. Hofmann

 


Jacek Hajduk ist Schriftsteller, Übersetzer und Altphilologe. Er lehrt an der Krakauer Jagiellonen-Universität.

 

 

 


Piotr Leszczyński ist Historiker, Redakteur beim DIALOG FORUM, Redaktionssekretär und Herausgeber der Danziger Vierteljahreszeitschrift „Przegląd Polityczny”.

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