Ein Ort des Gedenkens und der Begegnung mit Polen

Ein Gastbeitrag von Renata Alt (FDP), Dietmar Nietan (SPD), Manuel Sarrazin (Bündnis 90/Die Grünen) und Paul Ziemiak (CDU).

Der 1. September mahnt uns als Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen 1939, dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Heute gedenken wir der Opfer von Krieg und Gewalt der nationalsozialistischen Vernichtungsideologie und des Rassenwahns. Unser Nachbarland Polen wurde zum ersten Opfer des nationalsozialistischen, rassistischen Angriffskrieges und der anschließenden Besatzung. Bis zu sechs Millionen Polinnen und Polen verloren ihr Leben, darunter drei Millionen Jüdinnen und Juden. Es gibt in Polen wohl keine Familie, die in dieser Zeit keine Angehörigen verloren hat. Das Trauma der deutschen Besatzung und ihrer unfassbaren Grausamkeit hat sich tief ins kollektive Bewusstsein der Polinnen und Polen eingebrannt.

Dem nationalsozialistischen Horror folgte später eine beispiellose Versöhnungsgeschichte. Deutschland und Polen pflegen heute besondere freundschaftliche Beziehungen Gemeinsam haben Deutschland und Polen Institutionen wie das Deutsch-Polnische Jugendwerk oder die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit sowie zahl- und erfolgreiche gemeinsame Projekte ins Leben gerufen. Wirtschaftlich, kulturell und zwischenmenschlich sind beide Länder eng verbunden. Deutschland ist Polens größter Handelspartner, es gibt hunderte Städtepartnerschaften, einen umfangreichen Austausch zwischen Regionen, Schul- und Hochschulkooperationen sowie eine enge Zusammenarbeit der Zivilgesellschaft. Nirgendwo ist Deutsch als Fremdsprache so populär wie in Polen. Zwischen den Gesellschaften sind die Beziehungen sehr eng verwoben. So blicken Deutsche und Polen heute in eine gemeinsame und friedliche Zukunft und bauen weiter gemeinsam am Europa der Zukunft.

EIn Ort des Erinnerns und der Begegnung

Die polnischen Verteidiger der Danziger Westerplatte kapitulieren

Dabei gilt es trotzdem, den Blick auch in die Vergangenheit zu richten. Die zurückliegende Wahlperiode war voller Gedenkmomente – zum Beispiel den 80. Jahrestag des Überfalls auf Polen. Dennoch gab und gibt es große Lücken im kollektiven Bewusstsein über unsere Geschichte und keinen würdigen Ort des Gedenkens an die Opfer. Der Bundestag hat daher 2020 mit überwältigender Mehrheit den Beschluss gefasst, einen Ort des Erinnerns und der Begegnung zu schaffen, der „dem Charakter der deutsch-polnischen Geschichte gerecht werden und zur Vertiefung der besonderen bilateralen Beziehungen beitragen“ kann. Damit wurde deutlich, dass wir keinen Schlussstrich unter unsere Geschichte ziehen.

Nun, knapp ein Jahr nach dem Bundestagsbeschluss, liegt als erster Schritt der Umsetzung ein solides Konzept vor. Es ist die Skizze für einen Ort, der der deutsch-polnischen Geschichte Raum gibt und der die Komplexität und Dramatik dieser Geschichte greifbar macht. Die Rahmensetzungen zu Vermittlung und Bildung, Begegnung und Austausch befinden sich auf der Höhe der Zeit. Das ist auch deshalb so wichtig, weil es gilt, ganz unterschiedlichen Zielgruppen gerecht zu werden: Den Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und ihren Nachfahren ebenso wie Jugendlichen; den Expertinnen und Experten ebenso wie Berlin-Touristen aus aller Welt, die vielleicht zum ersten Mal mit der Thematik konfrontiert sind.

Das Projekt ist aus der berechtigten zivilgesellschaftlichen Forderung nach einem Denkmal und Erinnerungsort entstanden. Und so bleibt auch die Errichtung einer starken Denkmalskomponente, die ein ritualisiertes und würdiges Gedenken an die Opfer der deutschen Besatzung Polens ermöglicht, eine zentrale Aufgabe in der Umsetzung. Es darf nicht einfach eine „Gedenk-Ecke“ irgendwo im Ensemble werden. Das Gedenken und die Würdigung der Opfer gehören deutlich sichtbar ins Blickfeld gerückt.

Wir werden dafür Sorge tragen, dass die Dynamik des Prozesses erhalten bleibt und das Projekt im Koalitionsvertrag der nächsten Bundesregierung verankert und mit entsprechenden Mitteln ausgestattet wird. Unser Dank gilt an dieser Stelle der großen Gruppe von deutschen und polnischen Expertinnen und Experten, Botschafter Rolf Nikel und dem Auswärtigen Amt, die sehr konstruktiv an dem Konzept gearbeitet haben. Ebenso danken wir der beteiligten Zivilgesellschaft in ihrer großen Vielfalt, die schon immer tragende Säule und Motor der deutsch-polnischen Beziehungen war und die auch weiterhin an der Konzeptionierung und Umsetzung beteiligt werden soll.

Renata Alt, MdB

Dietmar Nietan, MdB

Manuel Sarrazin, MdB

Paul Ziemiak, MdB

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Gastbeitrag

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