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“Wie konnten wir uns nur so irren? Mythos und Realität der deutschen Ostpolitik”

"Wie konnten wir uns nur so irren? Mythos und Realität der deutschen Ostpolitik"

Wann

16/06/2022    
19:00 - 21:00

Wo

Pilecki-Institut Berlin
Pariser Platz 4A , Berlin, 10117

Veranstaltungstyp

Podiumsdiskussion | 16.06.2022, 19.00 | Pariser Platz 4A, 10117 Berlin | Anmeldung zur Veranstaltung 

Es diskutieren: 

  •  Liane Bednarz (Publizistin, Veröffentlichungen u.a. in d. Zeit, Spiegel, NZZ etc.)
  •  Jessica Berlin (Deutsche Welle, Gründerin von costruct.co)
  •  Thomas Urban (Journalist, langjähriger Osteuropa-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung)

Moderator:  

  • Patryk Szostak (Pressesprecher des Pilecki-Instituts Berlin)

Zerbombte Wohnblöcke, mit Leichen übersäte Straßen, totalitäre Kriegsführung, welche klare Züge eines Kulturgenozids trägt – diese Bilder dominieren seit dem 24.02.2022 in den traditionellen und den sozialen Medien. Doch der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, welcher seinen eigentlichen Anfang viel früher nahm als 2022,  hat noch ein weiteres Opfer hervorgebracht: den Mythos deutsche Ostpolitik. In seinem neuen Buch “Verstellter Blick” beschreibt Thomas Urban die Anfänge und Beweggründe hinter der von Willi Brandt und Egon Bahr konzipierten Ostpolitik, welche gerade in den deutsch-deutschen Beziehungen anfangs durchaus einige Erfolge vorzuweisen hatte.

Gleichwohl dokumentiert Thomas Urban die Entstehung eines Mythos. In der öffentlichen Debatte wurde die Ostpolitik beispielsweise häufig mit dem Zusammenfall der Sowjetunion in Verbindung gebracht, obwohl diese in internen UDSSR-Dokumenten aus den 80er Jahren keinerlei Erwähnung findet. Das Konzept des „Wandels durch Annäherung“ wurde indes Empor gehoben und bildete zusammen mit anderen Formen des Wunschdenkens die zentralen Leitgedanken der deutschen Ostpolitik der nächsten Jahrzehnte.

Dazu gehörte die Vorstellung, man könnte fatalen menschenrechtlichen Entwicklungen innerhalb Russlands und einer zunehmend selbstbewusst agierenden, aggressiven russischen Außenpolitik durch die Intensivierung wirtschaftlicher Verflechtungen beikommen und zugleich gute Beziehungen zu Warschau und Kyiv pflegen. Nicht selten fungierten dabei ideenpolitische Erwägungen  als beschönigende Zuckerguss-Maskeraden für politische Projekte, welche in erster Linie kurzfristige egoistische wirtschaftliche Interessen verfolgten – Thomas Urban zeigt, dass Nordstream II hier nur die Spitze des Eisbergs war.

Grozny 1999, die Orange Revolution 2004, der Georgienkrieg 2008, schließlich die Krim- Annexion und der Krieg in der Ostukraine 2014 – der russische Überfall 2022 blickt auf eine lange Vorgeschichte zurück und demonstriert, welch enormer „Confirmation Bias“ vonnöten war, damit zentrale Glaubenssätze der deutschen Ostpolitik erst im Februar 2022 ihr verdientes Ende fanden.

Zusammen mit Thomas Urban, Liane Bednarz und Jessica Berlin wollen wir einen Blick hinter den „Verstellten Blick“ werfen und vor allem seinen Hauptantrieb entschlüsseln: wirtschaftlicher Egoismus, idealistische Empirieresistenz oder beides?

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