Von Geistern, Vampiren, Helden und lebenden Leichnamen

Maria Janions späte Kritik der polnischen Romantik

Maria Janion (24. Dezember 1926 – 23. August 2020) war eine Koryphäe der polnischen Literatur‑ und Ideengeschichte, Geisteswissenschaftlerin, Professorin am Institut für Literaturwissenschaft der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN), unbestrittene intellektuelle Größe und charismatische Hochschullehrerin, durch deren Seminare viele Generationen polnischer Intellektueller gegangen sind. Sie hat sich ihren Ruf in erster Linie mit ihren Arbeiten zur polnischen Romantik als literarischem Stil, als Epoche und Paradigma erworben, doch wurde sie in ihren letzten Lebensjahren zu einer der schärfsten Kritikerinnen der Romantik. Der Grund dafür war, dass diese heute oft nur noch in karikierter Form in Erscheinung tritt, als Mythos, von dem man in simplifizierter, verzerrter und trivialisierter Form Gebrauch macht. Und auch wenn die Romantik das Hauptgebiet ihrer wissenschaftlichen Interessen bildete, die Epoche, der sie ihr ganzes Leben und viele Monographien, Einzelstudien und Lehrwerke widmete, revidierte Janion doch gegen Ende ihres Lebens diese ihre Faszination und erblickte in dem Zentralbegriff der polnischen Romantik schlechthin, dem Messianismus, einen „Fluch Polens“.

Maria Janion © Igor Omulecki

Die längste Zeit ihrer akademischen Laufbahn studierte Maria Janion gerade die eigentümliche, in den Kampf um die Unabhängigkeit und die Suche nach der nationalen Identität verwobene polnische Romantik in all ihren Erscheinungsformen; ihre Ursprünge und Besonderheiten, ihre literarische Hermeneutik, ihre slawischen Ursprünge, ihre Anfänge im heidnischen Mythos, im Märchen, in der Geschichte, ihre besondere östliche Geistigkeit und ihre verborgensten, verstoßenen Elemente, wie sie im kollektiven Unterbewusstsein verschüttet liegen, in der Irrationalität, in der Schreckgespenster, Geister und Vampire ihr Unwesen treiben.

Besonders produktiv für ihre Arbeit war das Konzept der „phantasmatischen Kritik“ (krytyka fantazmatyczna), das sie in ihrem Buch „Projekt krytyki fantazmatycznej. Szkice o egzystencjach ludzi i duchów“ (Entwurf zu einer phantasmatischen Kritik. Skizzen zur Existenz von Menschen und Geistern) von 1991 entwickelte. Darin untersucht Janion die Präsenz von Geistern in der romantischen Literatur und im romantischen Ethos. Dieses Interesse führte sie viele Jahre lang fort, so auch in einer Publikation von 2003 über den Topos des Vampirs („Wampir: biografia symboliczna“ – Der Vampir: eine symbolische Biographie). Der Vampir‑ und Geisterglaube, von dem kein geringerer als Adam Mickiewicz meinte, er sei für die polnische und im weiteren Sinne die slawische Kultur höchst charakteristisch, interessierte sie als andere, dunkle, unterweltliche Seite der Kultur. Sie war fasziniert von dem, was abgelehnt und ausgestoßen war, von der Suche nach den Grenzen der Erkenntnis und vom Schreiben einer anderen, alternativen Version von Geschichte. Oder wie sie es in den „Rozmowy poszczególne“ (Einzelne Gespräche) im Interview mit Kazimiera Szczuka ausdrückte: „Ich suchte in der Kultur immer nach den nächtlichen und tragischen Elementen.“

Sie stammte aus Wilna (Vilnius); von daher kam vielleicht ihre Vorliebe für den „Patriotismus der Grenzgebiete, der voller schrecklicher Vorahnungen und tragischer Verwicklungen“ sei. Von dieser Art Patriotismus gesättigt ist das vielleicht wichtigste polnische romantische Drama, seit Generationen Pflichtlektüre an polnischen Schulen, Adam Mickiewicz’ „Dziady“ [wörtlich: Die Ahnen, in dt. Übersetzung meist: Die Ahnenfeier; A.d.Ü.], insbesondere deren Teil III, der sich um die Figur des Konrad rankt und dessen Gefühl der eigenen Überdurchschnittlichkeit und Außergewöhnlichkeit darlegt, seinen Hochmut und Narzissmus, der bis zur Häresie getrieben wird und aus der Überzeugung stammt, ein großer Dichter zu sein:

„Ja, Unsterbliches empfinden und Unsterbliches gestalten,
Konntest du, mein Gott, denn Größeres entfalten?“

(Die Ahnenfeier, Teil III, Szene II, Verse 54–55)

Konrad verkörpert den romantischen Messianismus schlechthin; eine Christusgestalt, ein Märtyrer – erträgt das Leiden für die ganz polnische Nation:

“Eins mit ihm, mit ihm verbunden.
Heiße Million – denn für die Million,
Die ich liebe, ist’s, da ich mich quäle.”

(Die Ahnenfeier, Teil III, Szene II, Verse 259–261)

Maria Janion

Der Messianismus, Maria Janion zufolge in seiner heutigen Fassung gleichbedeutend mit Nationalismus, manifestiert sich in der polnischen Kultur als nationaler Masochismus, der aus einem unbewussten Schuldgefühl herrührt und zur Annahme einer Opferrolle namens großer patriotischer Ideale führt. Daher kommt nach Janions Auffassung die „selbstmörderische Neigung der Polen, ihr Phantasieren oder Träumen vom Sterben, vom Selbstmord, von der Auferstehung“. Diese Haltung führt wiederum, wie in Agnieszka Arnolds Dokumentarfilm „Bunt Janion“ (Die Rebellion der Maria Janion, 2006) eine ihrer bekanntesten Schülerinnen, Monika Rudaś-Grodzka sagt, zur Entstehung eines „gewissen umstürzlerischen Narzissmus, der ein Gefühl der Überlegenheit vermittelt und doch auch ein Minderwertigkeitsgefühl kaschiert.“ Maria Janion wirft in diesem Kontext auch einen kritischen Blick auf das „besondere Bündnis mit der Vorsehung; mit Gott“ und die daraus rührende Arroganz der Polen; ihren „Großmachtphantasien“, wie sie es nennt. Im Grunde kritisiert sie damit die im Kern auf den romantischen Mythos gestützte polnische Identität; also auf ein Narrativ über Polen, das in eine Rhetorik voller Pathos und Größenphantasien gekleidet ist, von der Verurteilung zum Tode, und das sich aus dem uralten Narrativ von der slawischen Geistigkeit ableitet, den Minderwertigkeitskomplex der Polen gegenüber Europa verbirgt und ihren Narzissmus verschleiert.

Die zentrale Szene IX aus Teil III der „Ahnenfeier“ bringt das im Titel angekündigte Ritual der Allerseelenfeier; der Totenkult, der so zentral und tief verwurzelt in den polnischen Gebräuchen ist. Die „Ahnenfeier“ ist im Grunde eine Dichtung darüber, wie des Nachts die Verstorbenen aus den Gräbern steigen, über lebende Leichname, Geister und tote Helden, über ein selbstmörderisches Opfer und Heldentod. In Gestalt des Konrad führt Mickiewicz hier die Figur des Vampirs ein, der nach patriotischer Rache, Blut und Leiden lüstet. Das romantische Phantasma des Vampirs, also des lebenden Leichnams, gehört zur polnischen Identität und den polnischen historischen Erfahrungen insbesondere während der Teilungen, also auch zur Zeit der Romantik. Der Vampir ist eine Emanation der Vorherbestimmung der Polen, ihres ewigen Leidens und ihrer tiefen Zerrissenheit, aber auch eine symbolische Figur; eine Gestalt, welche die Überwindung des Bösen, des schweren Schicksals und der historischen Ungerechtigkeit personifiziert. Im Verständnis Maria Janions ist die „phantasmatische Kritik“ auch eine weiter gefasste Reflexion über die hermetische Eigenart der Kunst, über das in Literatur, Film und Kunst enthaltene Potential der Mythen, Archetypen, Phantasien und Illusionen, ein Potential, das noch heute vorhanden ist und über die Jahrhunderte vermittelt wird, durch bewusst und unterbewusst geformte Kulturmuster, die in modernen Bildern wiederzufinden sind, in denen jene Mythen, Archetypen und verborgenen Bedeutungen wie von allein vervielfältigt werden.

Durch die langen Jahre ihrer Forschungstätigkeit hindurch sah Maria Janion in der Romantik vor allem eine Manifestation des Subjekts, also dessen, was einzig und individuell ist, anders gesagt, das souveräne, selbstbestimmte Individuum oder ganz einfach die Freiheit. In ihrer Interpretation war die Romantik eine große Revolution der Phantasie und ein kategorischer Imperativ der Freiheit. Sie betonte stets ihre Vielfalt und Vielseitigkeit, aber auch ihre dunkle Seite; sie erkannte darin, was vergessen, verborgen und verdrängt ist. In ihrer Interpretation ist die polnische Romantik vor allem eine Frage des Kampfes um die Unabhängigkeit und eine bedingungslose Bestätigung der Freiheit. In dem erwähnten Film „Die Rebellion der Maria Janion“ sagt sie: „Die Romantik kann eine Rolle als große Schule der Freiheit spielen. Der Kampf um die Selbstbestimmung der Gemeinschaft hängt eng gerade mit der Selbstbestimmung des Individuums in der Romantik zusammen. Die Freiheit des Individuums ist heute aber immer deutlicher durchkreuzt oder untergeordnet im Verhältnis zur Bedeutung sei es der Gemeinschaft, sei es insbesondere des Staates. Die Romantiker träumten von einem eigenen Staat, aber ihnen war nicht klar, dass der Staat im Verhältnis zum Individuum auch ein schrecklicher Unterdrücker sein kann.“

In ihren Büchern oder auch in späteren Publikationen untersucht Maria Janion die polnische romantische Geistigkeit, die ihrer Auffassung nach aus der slawischen Geistigkeit herstammt. Ihre Schriften sind dem slawischen Komplex und Eigenbewusstsein gewidmet; Visionen einer heidnischen, slawischen Ästhetik, Geistigkeit, Mythologie und der Frage, wie das Slawische und sein übermächtiger Einfluss auf die polnische Identität im modernen polnischen Bewusstsein funktioniert.

Weitere zentrale Themen ihrer Arbeit waren für Maria Janion Alterität, Nonkonformität, Exklusion, Diskriminierung und Feminismus. „Kobiety i duch inności“ (Die Frauen und der Geist des Andersseins) von 1996 war ein Versuch, den Frauen ihren Stellenwert in der polnischen Literatur zurückzugeben, und die Erkenntnis, dass Frauen bis in die Gegenwart hinein ausgeschlossen sind und dass ihre Selbstbestimmtheit eine andere ist, dass sie in der Gesellschaft die Rolle des Anderen, des Ausgeschlossenen spielen, dass sie daher immer einer Diskriminierung ausgesetzt waren. Beunruhigt registrierte Janion im modernen Polen den Triumph des Sexismus, der Misogynie und eines Niedergangs des Status der Frauen, die heute ihrer Meinung nach nicht als selbständige Wesen, sondern als Sexualobjekte behandelt würden. Ein Beispiel dafür sei die polnische öffentliche Debatte zum Abtreibungsrecht. Maria Janion erschreckte der besonders aggressive Ton dieser Debatte und die Seichtigkeit und Vulgarität dieser neuen Rollenzuschreibung an die Frauen. Sie sah darin ein weiteres Symptom für Oberflächlichkeit, Zerstreutheit, Übereiltheit und Verflachung, wie sie die moderne Kultur charakterisieren. Im Anschluss an Sigmund Freund sagte sie, heute unterliege die Privatsphäre und damit auch die Sexualität erneut der Politisierung, mit entsprechenden Folgen für die Umwertung des Stellenwertes des Feminismus und der Minderheitenrechte in Polen. Damit lenkte sie die Aufmerksamkeit auf alles, was anders und ausgeschlossen ist, auch auf diskriminierte Gruppen, die in vieler Hinsicht ihrer Freiheit und Selbstbestimmung beraubt sind.

Szene aus “Die Ahnenfeier”, Computergrafik nach Vorlage von Czesław Borys Jankowskis Illustration.

Maria Janion nahm immer schon eine kritische Haltung ein, forderte eine „Philosophie des Verdachts“, die Rebellion oder auch den Widerstand gegen die vorgefundene Realität, intellektuelle Aufrichtigkeit, die Notwendigkeit, ein anderes, alternatives Narrativ zu etablieren. Bereits in den frühen achtziger Jahren führte sie postmoderne, subversive Autoren in den akademischen Kanon in Polen ein: Michel Foucault, Georges Bataille, Susan Sontag und Ronald D. Laing.

In späteren Jahren, übrigens, wie sie selbst stets betonte, viel zu spät, ergriff sie auch das Wort in der Antisemitismus-Debatte. Nach mehreren Jahrzehnten der unveröffentlichten, verstreuten Forschungen und des Nachdenkens darüber formulierte sie das, was sie den „Gründungsmythos des polnischen Antisemitismus“ nannte, wie er vor allem in Zygmunt Krasińskis „Nie-Boska komedia“ (Ungöttliche Komödie) zum Ausdruck kommt; einem Werk, dem sie viele Jahre der Forschung widmete. Resultat dieses Nachsinnens war das 2009 veröffentlichte Buch „Bohater, spisek, śmierć. Wykłady żydowskie“ (Held, Verschwörung, Tod. Jüdische Vorlesungen). In dem im Jahr 2000 erschienenen, umstrittenen Buch „Do Europy tak, ale razem z naszymi umarłymi“ (Nach Europa ja, aber gemeinsam mit unseren Verstorbenen) schreibt Janion unzweideutig über die Shoah, spricht von „unseren Toten, das sind vor allem die Juden – sie waren aus der Geschichte des polnischen Martyriums ausgeschlossen“, aber es finde gerade „ein Prozess der Wiedereinschließung“ statt.

Die mit der Zeit wachsende kritische Distanz Janions zur romantischen Ideologie, die sich aus ihrer langjährigen Beschäftigung mit dem Thema ergab, desillusionierte sie schließlich so sehr, dass sie eine Neubewertung vornahm bei der Konfrontation des romantischen Mythos mit dem, was in der polnischen Kultur schamhaft verborgen und ausgestoßen ist, sowie mit der sich neu formierenden polnischen Identität und der neuen, umgeprägten Realität, wie sie durch die Politik definiert wird, die jenen Mythos gezielt instrumentalisiert, verzerrt und manipuliert. Das brachte Janion schließlich dazu, das „Ende des romantischen Paradigmas“ auszurufen und zu fordern, eigene Schlüsse aus der Krise der romantischen Werte zu ziehen. Nach Janion herrsche heute in Polen „eine beunruhigende Rückentwicklung in der Sphäre der Mythen, Archetypen, Symbolen und Werten“ sowie „eine zentral geplante Rückkehr zu der Kultur einer untergegangenen, epigonalen Romantik“. Ihre vor Jahren gestellte, beunruhigende Diagnose ist heute wieder besonders aktuell. In Agnieszka Arnolds Film sagt Maria Janion dazu: „Es dominiert die Sprache der Massenkommunikation, die eigentlich alles auf einige wenige Stereotype und Banalitäten schrumpfen lässt. Diese Sprache fußt auf Totalamnesie. Also auf einem Vergessen alles dessen, was einmal war.“

Daher sah Maria Janion in ihren letzten Lebensjahren den Messianismus als „Fluch Polens“. Das Gefühl der Benachteiligung, einer gewissen historischen Ohnmacht der Polen gehe einher mit einer Neigung zum Größenwahn und führe zu „Gleichgültigkeit und Abstumpfung für die Wirklichkeit“. Die Regierung aber reagiere so aggressiv auf ihre Kritik der nationalen Mythen, weil sie meine, die nationale Identität gründe sich auf heroischen und messianischen Mythen, während sie es nicht fertigbringe, „ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen, das sich auf staatsbürgerliche und nicht auf Werte der nationalen Mythologie“ stütze.

Bereits 1981, als sie vor dem ersten Kongress der Polnischen Kultur, der mit der Verhängung des Kriegszustands [am 13.12.1981; A.d.Ü.] abgebrochen wurde, über die Solidarność in Bezug – wie auch anders – auf die Romantik sprach, appellierte Janion für die Umgestaltung der „emotionalen Bewegung“ in eine „intellektuelle Bewegung“, „denn wenn dies nicht eintritt, dann bleiben wir bei der Romantik populärer Stereotype und Aufwallungen“. Weil der romantische Mythos ein Mythos der Intelligenz sei, sei es schon damals Aufgabe der Intelligenz in Anbetracht ihrer aktuellen Krise gewesen, einen neuen Identitätsmythos zu formulieren, der sich auf demokratische und staatsbürgerliche Werte stütze. Diese Überlegung verband sich mit der Hoffnung, die Solidarność würde zum Anfang einer gesamtgesellschaftlichen Diskussion über Gleichstellung und Gleichheit.

Nach dem politischen Umbruch von 1989 wurde Maria Janion noch deutlicher und erklärte das „Ende des romantischen Paradigmas“, also das Ende des romantischen Musters als eines heroischen, martyrologischen und messianistischen Paradigmas für die polnische Kultur. Die Allgegenwart und Übermacht des romantischen Mythos in der polnischen Kultur seien immer schädlich gewesen und aus einem Erziehungssystem erwachsen, in dem Teil III von Mickiewicz’ „Ahnenfeier“ ganz oben auf der Lektüreliste gestanden habe, ein Werk, das im Grunde eine „Sammlung von messianistischen Stereotypen“ sei. Die fundamentale Bedeutung des romantischen Mythos für die Ausbildung der polnischen Identität, seine missgestalteten, grotesken Emanationen in der polnischen Moderne und schließlich die gesamte heutige Ideologie der romantischen Stereotype, die von der Martyrologie des Messianismus durchtränkt sei – all das wurde von Janion kategorisch verworfen.

In einem Schreiben, mit dem der Kongress der Polnischen Kultur von 2016 eröffnet und das von Kazimiera Szczuka, einer ihrer Schülerinnen verlesen wurde, sagt sie: „Der Kanon der vaterlandsfrommen Stereotype und Smolensk [Flugzeugkatastrophe von 2010, bei der u.a. Präsident Lech Kaczyński starb, Anm. d. Red.] als neuer messianistischer Mythos sollen die von der vorhergehenden Regierung Geschädigten und Erniedrigten heilen und besänftigen. Wie unzulänglich und schädlich ist doch das in Polen herrschende martyrologische Paradigma! Ich sage geradeheraus – der Messianismus, ganz besonders in seiner staatlich-klerikalen Version, ist ein Fluch, ein Verdammungsurteil für Polen. Ich hasse unseren Messianismus aufrichtig. […] Eine Nation, die ohne Leiden nicht zu bestehen vermag, muss es sich selbst zufügen. Daher kommen die sadistischen Fantasien, Frauen zu zwingen, halbtote Kinder zur Welt zu bringen, daher das Herumwühlen in den Gräbern der Flugkatastrophe, der Anschlag auf die Naturdenkmäler […].“ In „Die Rebellion der Maria Janion“ sagt sie, auch im Kontext des Messianismus, dass Leid keineswegs adele: „Leidende haben versteinerte Herzen.“

 

Aus dem Polnischen von Andreas R. Hofmann

Schlagwörter:
nv-author-image

Aneta Panek

Aneta Panek, Filmemacherin, Performance Künstlerin, studierte Kunstgeschichte, Deutsche Literatur und Theaterwissenschaften in Paris und Berlin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.