Das friedliche Ende einer großen Kontroverse

Man ist bereits an dokumentarische Ausstellungen gewöhnt. Der Fokus ihrer Autoren liegt in erster Linie auf der Erzählung, die Originalobjekte sind ein wichtiges, wenngleich kein wesentliches Element. Oftmals werden Kopien verwendet, an die Stelle von Originalobjekten treten multimediale Installationen. Die seit Jahrzehnten erwartete Ausstellung der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung ist nun in Berlin zu sehen und kann trotz einiger pandemiebedingter Einschränkungen besucht werden. Auf zwei Ebenen lassen sich die Hauptprobleme der Zwangsmigration im 20. und frühen 21. Jahrhundert erkunden. Die Autoren der Ausstellung waren auf sachliche Richtigkeit bedacht. Man könnte sogar den Eindruck gewinnen, als ob sie bewusst auf jegliche Kontroverse oder Einflussnahme auf die Emotionen der Besuchenden verzichtet hätten. Aber wird eine so konstruierte Erzählung in Zukunft Bestand haben und im Laufe der Jahre neue Besuchende anziehen können?

Die Ausstellung im Dokumentationszentrum

Es hat viele Jahre gebraucht, bis die Ausstellung der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung in der deutschen Hauptstadt eröffnen konnte. Das Thema löste nicht nur bei den deutschen Nachbarn große Kontroversen und Besorgnis aus. Es wurde befürchtet, die Zwangsmigration der Deutschen nach 1945 würde im Mittelpunkt der Ausstellung stehen, ohne den historischen Kontext, vor allem die NS-Zeit, zu berücksichtigen.

Die Kontroversen um die Entstehung der Ausstellung sind allgemein bekannt und gut dokumentiert. Es ist daher nicht notwendig, sie näher zu erläutern. Erwähnenswert ist dabei, dass diese Kontroversen zum Rücktritt einiger Mitglieder des wissenschaftlichen Beirates führten. Selbst der erste Direktor der Stiftung musste zurücktreten. Hatten diese langjährigen Irritationen und Diskussionen Einfluss auf die endgültige Form der Ausstellung? Wie ist sie aufgebaut? In welchem Verhältnis steht das Schicksal der Deutschen zum historischen Hintergrund, zu anderen Deportations- und Vertreibungswellen?

Verschiedene Gesichter der Zwangsmigration

Die Ausstellung der Stiftung soll einen Überblick über die wichtigsten erzwungenen oder unfreiwilligen Migrationsbewegungen des 20. und der ersten Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts geben und den deutschen Fall dabei näher beleuchten. Zu diesem Zweck ist die Ausstellung in zwei Teile gegliedert, die je auf einer Etage präsentiert werden. Die Architektur des Gebäudes im Deutschlandhaus an der Kreuzung Stresemannstraße/Anhalter Straße, das ganz auf die Arbeit der Stiftung abgestimmt ist, wurde für diesen Zweck genutzt, insbesondere für die angemessene Präsentation der Kernausstellung. Die architektonischen Lösungen sind trotzdem nicht frei von gewissen Ungereimtheiten. Das große Panoramafenster auf der ersten Etage, welches das Ursache-Wirkungs-Schema unterstreichen sollte (der Blick geht auf das Museum Topographie des Terrors), bleibt ungenutzt. Es ist dicht mit einem Vorhang zugedeckt. Auch die geräumige Treppe, vor allem zwischen der ersten und zweiten Ebene der Ausstellung wurde offenbar nicht genutzt. Mit der richtigen Anordnung hätte sie Teil der Installation werden können, aber so dient sie nur als Durchgang. Die Anordnung der Hauptausstellung auf zwei Ebenen ist nicht zu beanstanden; sie entspricht der logischen Entwicklung der Erzählung. Die erste zeigt die verschiedenen Gesichter der Zwangsmigration, die zweite konzentriert sich auf die Flucht und Vertreibung von Deutschen. Diesem Teil geht eine ausführliche Erklärung der Gründe für diese Migrationsbewegungen voraus. Die Aufmerksamkeit wurde auf die Nationalitäten- und Rassenpolitik des Dritten Reiches und die von Deutschen nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges begangenen Verbrechen gelenkt. Die Ausstellung schließt mit einer Darstellung der politischen Annäherung zwischen Deutschland und den Ländern Mittel- und Osteuropas.

Ein Blick auf die Ausstellungsdetails

Die Autoren der Ausstellung waren zweifelsohne um die Richtigkeit der Botschaft bemüht, und sie hatten es mit einem großen Thema zu tun. Auf den ersten Blick gibt es keinen Anlass zur Kontroverse. Sie harmoniert mit der Betonoberfläche, dem teilweise industriellen Look des Interieurs und der minimalistischen Einrichtung, die den Eindruck von Kühle und Distanz vermittelt. Bei näherer Betrachtung ergeben sich dennoch einige Zweifel, die bis zu einem gewissen Grad immer unvermeidlich sind. Ich werde sie in zwei Gruppen unterteilen, eine allgemeine und eine spezifische.

Eröffnung der Ausstellung Dokumentationszentrum Flucht Vertreibung Versöhnung

Wendeltreppe zum zweiten Obergeschoss der Ständigen Ausstellung im Dokumentationszentrum © Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Foto: Markus Gröteke

Nur in einigen wenigen Fällen von Migrationsopfern werden in der Ausstellung konkrete Zahlen genannt. Dies geschieht im Fall der Deutschen, in ausgewählten Aspekten bei Juden und Ukrainern. Bei der Darstellung der Migration anderer Nationen werden allgemeine Begriffe wie „viele Millionen/Hunderttausende“ verwendet. Die Zahl der deutschen Opfer wird dagegen mit 600.000 beziffert (eine Abweichung von der oft wiederholten Schätzung von zwei Millionen Opfern von „Flucht und Vertreibung“). Die Karten, die den Verlauf verschiedener Migrationen im Osten zeigen (z. B. die Richtungen der Deportationen), sind nicht immer genau, sie geben nur einen Teil dieser Phänomene oder Bewegungsrichtungen wieder. Ähnlich kritische Anmerkungen können zu den Migrationsursachen gemacht werden. In der Ausstellung dominiert die Nationalitätenpolitik als Ursache, aber das war schließlich nicht der einzige Beweggrund. Was zum Beispiel fehlt, ist eine stärkere Betonung klassenbezogener Motive, welche die Politik der UdSSR nicht nur gegenüber Minderheiten, sondern auch gegenüber der Masse der Sowjetbürger erläutern würden.

Für viele Deportierte war die beschwerliche Reise im Viehwaggon die prägendste Erfahrung. Es ist in der Tat ein Symbol für die erzwungene, schnelle und massive Beseitigung unerwünschter Gruppen, das in der einen oder anderen Form in vielen Gedenkstätten in Mittel- und Osteuropa zu finden ist. Dieses Bild wird in der Ausstellung nicht herausgestellt. Stattdessen begegnen die Betrachtenden mehrmals hölzernen Wagen, Karren und Fahrrädern…

Polnische Aspekte

Die Autoren der Ausstellung verzichteten in der Textebene auf kontroverse, wertebehaftete Bezeichnungen, hauptsächlich im Hinblick auf die Erfahrungen der Deutschen – abgesehen von dem Begriff „Vertreibung“. Der Terminus hat sicherlich keine so primär emotionale Bedeutung wie in Polen, sondern wird eher im historisch-juristischen Kontext als Wissenschaftsbegriff verwendet. In der Ausstellung wird er tatsächlich im Plural gebraucht, als eine Erfahrung von vielen, nicht nur als ein für Deutsche reservierter Begriff. Dies ist beachtenswert.

Hervorzuheben sei auch, dass Polen und sein Schicksal wiederholt erwähnt wird. Polnische Themen tauchen auf beiden Ebenen auf, wobei es natürlich fraglich ist, ob die wichtigsten Aspekte abgedeckt wurden. Polen ist ein Land, dessen Einwohner seit Herbst 1939 Zwangsmigrationen ausgesetzt waren, doch es war ebenso ein Land, das diese selbst durchführte: die „wilden Vertreibungen“ der Deutschen im Sommer 1945 oder die Operation Weichsel im Jahr 1947 (Deportation der lemkischen und ukrainischen Bevölkerung in die westlichen und nördlichen Teile Polens). Dabei setzte Polen die Beschlüsse der Alliierten um, allerdings nach seinen eigenen Bedürfnissen.

Im allgemeinen Ausstellungsteil auf der ersten Etage werden unter anderem nationale Mythen diskutiert. Die Besuchenden haben einen Würfel zur Verfügung, den sie drehen können. Darauf stehen verschiedene allgemeine Informationen, denen gegenüber man Vorbehalte haben könnte. Den Ausführungen zufolge wurde Polen nach dem Wiener Kongress angeblich an Russland angegliedert. Ignoriert wurden aber die Teilungen Polens und die Aufteilung des Gebietes unter die drei Teilungsmächte! Einige Sätze später erscheinen dann plötzlich alle drei Teilungsmächte…

Zur Veranschaulichung der polnischen Mythen wurden, absolut zu Recht, die Gemälde von Jan Matejko herangezogen, dem großen polnischen Historienmaler, der das polnische Selbstbild im 19. und 20. Jahrhundert maßgeblich prägte. Die Bildauswahl mag jedoch etwas überraschen. Die in Polen berühmte Darstellung Matejkos von der Niederlage des Deutschen Ordens im Jahr 1410 als eines der ikonischsten Gemälde überrascht natürlich nicht (die Bildunterschrift „Die Schlacht bei Grunwald“ kann für die deutschen Betrachtenden jedoch unverständlich sein, die in Deutschland allgemein übliche und mit dem 20. Jahrhundert assoziierte „Schlacht bei Tannenberg“ wurde nicht verwendet). Ein anderes Bild, das in der polnischen Wahrnehmung der Beziehungen zu Deutschland stark präsent ist, ist die „Preußische Huldigung“, die symbolische Unterordnung des neu gegründeten Herzogtums Preußen unter den polnischen Monarchen im Jahr 1525. Dieses wird jedoch nicht gezeigt, stattdessen wird als Mythos das Gemälde „Taufe Polens“ präsentiert. Vielleicht wollten die Autoren an den Mythos von „Polen als Bollwerk des Christentums“ anknüpfen, aber dieser hängt eher mit den Kriegen des 16. und 17. Jahrhunderts als mit der 966 erfolgten Taufe zusammen.

Streiten lässt sich auch über den Aufbau der Karte „Vertreibungsverträge, Vertreibungen und Rückführungen“ zwischen 1912 und 1990, denn angesichts der territorialen Veränderungen und der Anzahl der in diesem Zeitraum erfolgten Migrationsbewegungen ist es sehr schwierig, eine solche Karte zu erstellen. Vielleicht war es unnötig zu versuchen, so viele verschiedene historische Phänomene auf einer Karte unterzubringen, die zugleich die gegenwärtige territoriale Gestalt Europas markiert (der Kenntnisstand z. B. von Besuchenden aus den USA kann zu Missverständnissen führen). Im Falle der Polen fehlen auf dieser Karte die sowjetischen Deportationen aus den Gebieten der heutigen Ukraine und Litauens. Es ist übrigens unklar, warum die Bewegungen der Polen aus den annektierten Gebieten im Osten in die neuen Gebiete im Westen auf die Jahre 1944–1952 beschränkt bleiben (sie endeten 1959). Die Rückführungen aus Frankreich und Belgien wurde ausgelassen, obwohl die aus Jugoslawien und Deutschland abgebildet werden.

Eine weitere Karte zeigt Migrationen, die sich aus den Veränderungen der polnischen Grenzen ergeben. Die Zahl der Repatriierten aus den Tiefen der UdSSR wurde unterschätzt, und die Pfeile, die die Umsiedlung von Litauern, Ukrainern und Weißrussen auf sowjetisches Gebiet darstellen, wurden falsch platziert. Andererseits sollte die Einbeziehung einer Karte, welche einen Einblick in die sprachliche Vielfalt des heutigen Europas gewährt, begrüßt werden, da sie die Auswirkungen der „Säuberung“ des östlichen Teils des Kontinents von Minderheiten perfekt veranschaulicht und den historischen Karten entspricht, auf denen das ethnische Mosaik sichtbar ist. Aufmerksamkeit erregt zudem die Replik einer Karte aus dem Jahr 1944, auf der die polnischen Grenzen provisorisch eingezeichnet wurden (bloß fehlt hier die berühmte Karte vom August 1939, die im Zuge des deutsch-sowjetischen Abkommens über die Teilung Osteuropas entstand und eine Reihe von Wanderungsbewegungen auslöste).

In dem Pavillon in der Mitte, dessen Wände mit großen Fotos bedeckt sind, welche den tragischen Zustand im Jahr 1945 bezeugen, wird eine Animation mit Karten gezeigt, die es dem Besucher ermöglicht, die gesammelten Informationen zu ordnen – eine gelungene Idee.

Im Falle der Nationalitätenpolitik des Dritten Reiches wäre die polnische Minderheit in Deutschland zu erwähnen, die nach dem Auslaufen des Oberschlesien-Abkommens verfolgt wurde (erwähnt wird nur das Schicksal der jüdischen Bevölkerung). In dem Teil, der dem Kriegsbeginn und der deutschen Besatzungspolitik gewidmet ist, vermisste ich jedoch die Flucht der Polen vor der Front sowie die Berücksichtigung der Vertreibungen in den ersten Kriegswochen, hauptsächlich in Pommern, und den Widerstand der Polen gegen die späteren Vertreibungen (beispielsweise im Gebiet um Zamość).

Ebenfalls nicht ganz zufriedenstellend ist die Art, wie die Haltung der polnischen Bevölkerung gegenüber der Vertreibung der Deutschen dargestellt wird. Obwohl selten, gab es doch Sympathiebekundungen seitens der Polen, die zuvor ihre Heimat im Osten hatten verlassen müssen. Ein differenzierteres Bild hätte die Vielfalt des Themas und die unterschiedlichen Herangehensweisen an das Thema verdeutlichen können.

Enttäuschend ist ferner die Schilderung der Geschichte der Vertriebenenverbände, insbesondere im Falle einiger ihrer nach 1945 in die NS-Vergangenheit verstrickten Anführer. Die Charta der Vertriebenen zu einem Ausdruck des Versöhnungswillens zu machen, wirft viele Zweifel auf.

Emotionale Zurückhaltung

Ich erwähnte bereits, wie emotional zurückhaltend die Ausstellung aus meiner Sicht konzipiert wurde. Natürlich ist dies eine sehr subjektive Auffassung. Vielleicht teilen andere Besucher meine Einschätzung nicht. Bei der Darstellung eines so großen Themas muss man jedoch abwägen, wo die goldene Mitte liegen soll – zwischen einer konkreten, wissenschaftlich fundierten, durch Statistiken untermauerten, möglichst professionellen und neutralen Botschaft und der Notwendigkeit, das menschliche, individuelle Schicksal, die Erfahrung, das Leiden und das Gefühl der Ungerechtigkeit sichtbar zu machen. Der Geschichte muss in diesem Fall ein menschliches Gesicht gegeben werden. Andererseits will man sie nicht zu sehr „personifizieren“, um nicht in ihre Relativierung oder gar Banalisierung zu verfallen.

Mir scheint nur, als ob in der Berliner Ausstellung zu selten Zeitzeugen, von der Geschichte direkt Betroffene, zu Wort kommen (z.B. in Audio- und Videoaufnahmen), was den Betrachtenden ermöglichen würde, eine Art „menschlichen“ Kontakt nicht so sehr mit dem „Thema“, sondern einfach mit den Menschen herzustellen. Ich bestreite nicht, dass es solche Versuche gibt. Ein interessanter Einfall war im Übrigen, am Beispiel eines Posener Mietshauses das Schicksal seiner Bewohner während des Zweiten Weltkriegs anschaulich zu machen.

Bedauerlicherweise werden keine Beispiele für die Aufnahme eines Dialogs zwischen den Vertriebenen und den Bewohnern ihrer ehemaligen Heimatländer, für eine allmähliche Annäherung und den Abbau von Tabus genannt. Wenn es um die Versöhnung zwischen den Völkern geht (der dritte Teil des Stiftungsnamens), sollte immer wieder betont werden, dass sie durch alltägliche Kontakte, oft schwierige und schmerzhafte Gespräche, aber auch durch die gemeinsame und basisnahe Arbeit Tausender von Bürgern und nicht nur von politischen Führern oder Eliten erreicht wurde.

Die Polen haben das Thema nicht erst nach der Rede von Erika Steinbach aufgegriffen, sondern arbeiten bereits seit den 1980er Jahren daran (oder vielleicht seit dem Brief der Bischöfe von 1965), wobei sie verschiedene Hindernisse überwunden und ihr eigenes nationales Selbstbild überprüft haben. Ein solches Ausstellungsfinale würde eine Botschaft der Hoffnung vermitteln und Menschen würdigen, die in der Lage waren, ihren eigenen Schmerz und ihre Trauer im Namen des Friedens und einer Zukunft zu überwinden. Es reicht definitiv nicht aus, die Besuchenden, von denen immer mehr keinen persönlichen Bezug zum Thema haben werden (z. B. durch familiäre Bindungen), davon zu überzeugen, Vertreibungen seien zwar schlimm, kommen aber leider immer wieder vor.

Ein Teil der detaillierteren Fragen wird häufig in Katalogen zu den jeweiligen Ausstellungen behandelt. Leider wurde hier ein solcher Katalog noch nicht vorbereitet. Temporäre Ausstellungen haben eine ähnliche Aufgabe. Wir sollten daher mit Interesse auf ihr Programm warten.

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Krzysztof Ruchniewicz

Historiker, Professor an der Universität Wrocław und Direktor des dortigen Willy-Brandt-Zentrums für Deutschland- und Europastudien.

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